Geschichte des Fachgebiets

Geschichte des Fachgebiets

Der Ursprung des Fachgebiets „Konstruktiver Leichtbau und Bauweisen“ geht auf die Habilitation von Dr.-Ing. Georg Wilhelm Koehler (geb. am 2. Juli 1874 in Berlin, verst. am 15. Juli 1929) an der Technischen Hochschule Darmstadt im Jahre 1906 zurück. Köhler erhielt damals die Venia legendi für das Fach „Lasthebemaschinen und Förderanlagen für Massengüter“. Zur Entlastung des Lehrstuhls Maschinenbau IV (Prof. von Roeßler) für Mechanische Technologie und Maschinenzeichnen und des Lehrstuhls Maschinenbau V (Prof. Pfarr) für Wasserkraftmaschinen, Hebemaschinen, Hydraulik und Fabrikanlagen wurde Koehler im Juli 1920 zum ordentlichen Professor ernannt und erhielt den neu eingerichteten Lehrstuhl Maschinenbau VI für Hebemaschinen, Förderanlagen, Dampfkessel und Maschinenzeichnen sowie Maschinenelemente für Bauingenieure.

Nach dem frühen Tod von Prof. Koehler übernahm am 1. April 1930 Dr.- Ing. Friedrich Hübener (geb. am 7. August 1883 in Kiel, verst. am 4. Mai 1966 in Königstein im Taunus) den Lehrstuhl , er bezog den Eisenbahnmaschinenbau und den Lokomotivbau in die Lehre ein. Vom 1. September 1934 bis 31. August 1937 war Prof. Hübener Rektor unserer Hochschule und anschließend Prorektor bis zum Kriegsende. Durch den Luftangriff auf Darmstadt am 11. September 1944 wurde die Ausstattung des Lehrstuhls völlig zerstört und Prof. Hübener zog mit seinen Assistenten in ein Zimmer in der Bürgermeisterei von Groß-Bieberau.

Nach der Emeritierung von Prof. Hübener übernahm am 1. November 1953 Prof. Dr.- Ing. Kurt Mayer (geb. am 23. November 1899 in Eschenbach/ Oberpfalz, verst. am 16. Oktober 1974 in Basel), ehemals Professor an der Technischen Hochschule Breslau, den Lehrstuhl. Seither hieß der Lehrstuhl Fördertechnik und Lasthebemaschinen.

Nach der Emeritierung von Prof. Mayer übernahm den Lehrstuhl am 1. September 1967 Dr.- Ing. Rudolf Neugebauer (geb. am 5. April 1924 in Breslau). In seinen Vorlesungen vermittelte er seinen Studenten kompetent und nachvollziehbar fundierte Grundlagen zum Trieb- und Tragwerkverhalten von bewegbaren Stahlbauten. Hohe Anerkennung errang Professor Neugebauer vor allem durch sein Mitwirken auf dem Gebiet der Normung. Seit 1959 arbeitete er in den Gremien des Fachbereichs Fördertechnik des Normungsausschusses Maschinenbau im DIN mit und wurde 1964 zum Obmann des Arbeitsausschusses „DIN 15018, Berechnungsgrundlagen für Krantragwerke“ gewählt. Die damals erarbeiteten Richtlinien zur Bemessung von bewegbaren Stahlbauten entsprechen heute noch dem Stand der Technik. Neben seiner Mitarbeit im DIN und dem Technischen Beirat der Fachabteilung Krane im VDMA ist Professor Neugebauer durch seine langjährige Mitarbeit in der ISO auch international als Verfechter systematischer Normung und als engagierter Vordenker hoch angesehen.

Nach der Emeritierung von Prof. Neugebauer 1989 konnte das Fachgebiet „Fördertechnik und Lasthebemaschinen“ vom Fachbereich Maschinenbau trotz dreimaliger Ausschreibung nicht mit einem hinreichend qualifizierten Bewerber besetzt werden. Daraufhin beschloss der Fachbereichsrat Maschinenbau am 12. Juni 1990 eine Umwidmung zum Fachgebiet „Konstruktiver Leichtbau und Bauweisen“ vorzunehmen. Der Ständige Ausschuss II der Technischen Hochschule Darmstadt stimmte am 6. Mai 1992 dieser Umwidmung zu.

Im anschließenden Berufungsverfahren wurde Dr.- Ing. Helmut Schürmann ausgewählt. Prof. Schürmann studierte Maschinen- und Flugzeugbau an der TU Braunschweig und promovierte an der Universität Kassel über das Thema „Gezielt eingebrachte Eigenspannungen in Faser-Kunststoff-Verbunde“. Er war danach Leiter einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines großen deutschen Chemieunternehmens, bevor er an die TU Darmstadt berufen wurde. Prof. Schürmann leitete das Fachgebiet KLuB von Januar 1994 bis März 2016. Seine Arbeitsschwerpunkte lagen in sämtlichen Bereichen des Konstruierens mit Faserverbundwerkstoffen, und er setzte mit seiner Arbeitsgruppe über die 22 Jahre seines Wirkens Akzente, die über die nationale Ebene Beachtung gefunden haben. Prof. Schürmann zeichnete sich aber neben seiner erfolgreichen Forschung auch als ein Lehrender aus, der es verstand, mit didaktischem Geschick eine beachtliche Zahl an Hörerinnen und Hörer in seine Vorlesungen über den konstruktiven Leichtbau und das Konstruieren mit Faser-Kunststoff-Verbunden zu ziehen, was sich auch in der beeindruckenden Anzahl von Absolventinnen und Absolventen ausdrückt, die über die Jahre am Fachgebiet KLuB ihre Abschlussarbeiten angefertigt haben. Sein Fachbuch „Konstruieren mit Faser-Kunststoff-Verbunden“, das in der ersten Auflage im Jahre 2005 im Springer Verlag erschien und derzeit seiner dritten Auflage entgegensieht, gehört inzwischen zu den deutschen Standardwerken in diesem hochaktuellen und sich stetig weiterentwickelnden Wissensgebiet.

Im nachfolgenden Berufungsverfahren zur Nachfolge von Prof. Schürmann wurde PD Dr.-Ing. habil. Christian Mittelstedt ausgewählt, der im August 2016 seine Amtsgeschäfte angetreten hat.

Raumgeschichte

  • Georg Wilhelm Koehler
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